Leid-Erleben

Leid-Erleben

Buch von Friedel M . Reischies, 2021

Am Ende des Jahres 2021 ist das Buch: Leid-Erleben – Ein Fundament der Psychopathologie – erschienen. Hier ein Blick auf den Inhalt:

Wir wissen überraschend wenig über das Erleben von Leid. Wie ist Leiden vorstellbar, das unzählige Menschen den Tod suchen lässt?

Wie kommt das „Negative“ in das Gehirn? Befunde über ein basales emotionales und Valenz-Erleben werden vorgestellt – ein Erleben ohne höhere kognitiven Funktionen – vor allem ohne ein „kognitives“ Bewusstsein. Welche notwendigen Entwicklungsschritte sind anzunehmen, die dazu führten, dass ein Wesen Leid fühlt?

Leiden wird als Empfindung extrem negativer Valenz verstanden, wobei negative Valenz in der Neurobiologie als das Negative aufgefasst wird, vor dem Lebewesen zu fliehen versuchen. Über die Entstehung der negativen Valenz herrscht Unklarheit. Gab es einen Vorteil in der Anpassung an die Umwelt bei denjenigen Lebewesen, die das „Negative“ verarbeiten konnten?

Die naturgeschichtliche Entstehung negativer Valenz in der Rolle eines Lernsignals für ein neuronales Netz wird erläutert. Dieses hat für die Lebewesen den entscheidenden Vorteil mit sich gebracht, das Verhalten an ihre gefährliche Umgebung adaptieren zu können.

Die Entwicklung der Empfindung des Leids wird mit der Kopplung an die parallel entstehende selbst/nicht-selbst Unterscheidung der Lebenwesen in Zusammenhang gebracht. Wie konnte sich die extreme Ausprägung von Leiden, eine unaushaltbare seelische Qual entwickeln? Die Kopplung von extremer negativer Valenz mit den selbst-bezogenen Prozessen wird als Startpunkt einer Evolution der subjektiven Reaktion auf negativen Valenz beschrieben.

Wie gelingt es in der Psychopathologie psychischer Erkrankungen, Leid zu erkennen und gibt es Besonderheiten des Leid-Erlebens bei psychischen Erkrankungen?

Der Autor des Lehrbuchs Allgemeine Psychopathologie wendet sich hier speziell der Basis von Emotion und Erleben zu. Das Buch bietet viele überraschende neue Einsichten. Die Sachverhalte werden anschaulich dargestellt.

Content in English: We know surprisingly little about the experience of suffering. How is suffering conceivable that makes countless people seek death? How does the „negative“ enter the brain?

Findings for a basal emotional and valence experience are presented – an experience without higher cognitive functions – especially without „cognitive“ consciousness. What developmental steps are to be assumed as necessary that led to a living being, which experiences suffering?

Suffering is imagined as a sensation of extremely negative valence – where negative valence is conceived in neurobiology as the negative from which living beings try to flee. There is uncertainty about the origin of negative valence. Was there an advantage in adapting to the environment in those creatures that could process the „negative“?

The origin of negative valence in natural history is explained in the role of a learning signal for a neural network. This has brought the decisive advantage for the living beings to be able to adapt the behavior to their dangerous environment.

How could the extreme expression of suffering, an unbearable mental anguish develop? The development of the sensation of suffering is related to the coupling with the parallel developing self/non-self distinction of living beings. The coupling of extreme negative valence with the self-related processes is described as the starting point of an evolution of the subjective reaction with respect to the signals of negative valence.

In the psychopathology of mental illness, how is it possible to diagnose suffering and are there particularities of the experience of suffering in mental illness?

Kontakt: Friedel M. Reischies (friedel.reischies@charite.de)

Pabst-publishers, 49525 Lengerich, pabst-publishers.com

27.12.2021

Amazon:

Rezension aus Deutschland vom 13. Januar 2022

A fascinating journey into the world of emotions and their evolution. Interesting and easy to read even for an „external“ audience, i.e. non-physicians/ therapists. The read will broaden your horizon, so a definite recommendation. I especially liked the conversion-type-of style of the book, which makes this, at times even philosophical, book enjoyable to read.

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